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Somatoforme Störungen bei Erwachsenen

Definition Somatoforme Störungen

Viele Menschen mit somatoformen Störungen haben eine lange, erschöpfende Geschichte: Arzttermine, Untersuchungen, vielleicht Krankenhausaufenthalte – und trotzdem bleiben Beschwerden. Manchmal wechseln die Symptome, manchmal sind sie konstant. Oft kommt mit der Zeit Verunsicherung dazu: „Was, wenn doch etwas übersehen wurde?“ Und nicht selten auch Enttäuschung oder Wut: „Niemand nimmt mich ernst.“

Wichtig ist:Ihre Beschwerden sind real. Somatoforme Störungen bedeuten nicht, dass „nichts ist“. Sie bedeuten, dass körperliche Symptome bestehen, die sich nicht ausreichend durch eine organische Erkrankung erklären lassen – oder dass die Beschwerden stärker und belastender sind, als es der medizinische Befund erwarten lässt. Häufig spielt dabei das Zusammenspiel von Nervensystem, Stress, Anspannung, Aufmerksamkeit, Erfahrungen und Körperwahrnehmung eine zentrale Rolle.

Das Gute: Wenn man diesen Zusammenhang versteht, entstehen neue, wirksame Behandlungsmöglichkeiten – ohne dass man den Körper gegen die Psyche ausspielen muss.

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Symptome

WORAN SIE EINE SOMATOFORME STÖRUNGEN ERKENNEN KÖNNEN

Somatoforme Beschwerden können sehr unterschiedlich sein. Häufig sind sie:

  • Länger anhaltend oder wiederkehrend
  • Stark belastend und alltagsbestimmend
  • Mit hoher Sorge verbunden („Was ist das? Warum geht das nicht weg?“)
  • Begleitet von vielen Untersuchungen, ohne klare Erklärung oder ohne ausreichende Besserung

Typische Symptome können sein:

  • Schmerzen (Kopf, Rücken, Gelenke, Bauch, Becken)
  • Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Völlegefühl, Durchfall/Verstopfung)
  • Herz-Kreislauf-Symptome (Herzklopfen, Engegefühl, Schwindel)
  • Atembeschwerden (Kurzatmigkeit, Druck, „nicht tief genug atmen können“)
  • Erschöpfung, Müdigkeit, „wie ausgelaugt“
  • Missempfindungen (Kribbeln, Taubheit, Brennen)
  • Muskelanspannung, Zittern
  • Schlafstörungen
  • das Gefühl, der Körper sei „unzuverlässig“ oder „macht nicht mit“

Typisch ist auch der Kreislauf aus Symptom → Sorge → Körperbeobachtung → mehr Anspannung → stärkere Symptome. 
Das ist kein „Fehler“ von Ihnen, sondern ein gut erklärbarer Mechanismus des Nervensystems.

Wie sich eine Somatoforme Störung im Alltag anfühlen kann

Somatoforme Störungen sind oft besonders belastend, weil sie unsichtbar sind – und weil Betroffene sich ständig rechtfertigen müssen: im Job, in der Familie, manchmal sogar bei sich selbst.

Viele erleben:

  • Planungsunsicherheit: „Ich weiß nie, wie es mir morgen geht.“
  • Rückzug, weil Aktivitäten zu anstrengend sind oder Angst vor Symptomen besteht
  • Arbeitsprobleme durch Fehlzeiten, Leistungsabfall oder Überforderung
  • Konflikte im Umfeld („Du warst doch beim Arzt – es ist doch nichts“)
  • Kontroll- und Sicherheitsverhalten: ständiges Checken, Schonung, Vermeidung
  • Erschöpfung durch die Daueraufmerksamkeit auf den Körper
  • Häufig begleitend: Angst, depressive Verstimmung, Reizbarkeit

Manche Betroffene fühlen sich irgendwann, als hätten sie „den Boden unter den Füßen verloren“ – weil der Körper nicht mehr verlässlich wirkt. Therapie kann helfen, wieder Vertrauen, Stabilität und Handlungsspielraum aufzubauen.

Behandlungsansatz

Wir nehmen Körper und Psyche gleichermaßen ernst

Ein hilfreicher Ansatz bei somatoformen Störungen ist psychosomatisch im besten Sinne: Er betrachtet Beschwerden als Ergebnis eines Zusammenspiels aus Körper, Nervensystem, Stress, Lebenssituation und erlernten Bewältigungsstrategien.

Ziele der Behandlung können sein:

  • Sicherheit durch Einordnung: Was wurde medizinisch abgeklärt? Was bedeutet das?
  • Verstehen von Auslösern und Verstärkern: Stress, Schlaf, Anspannung, Aufmerksamkeit
  • Regulation des Nervensystems: weniger Alarm, mehr Ruhe, besserer Schlaf
  • Aufbau von Aktivität: dosiert, ohne Überforderung, mit realistischen Zielen
  • Umgang mit Sorge und Körperfokus: weniger Checken, weniger Katastrophisieren
  • Teilhabe stärken: Alltag, Arbeit, Beziehungen wieder erweitern

Multimodal und alltagsnah

Je nach Setting und Indikation können Bausteine sinnvoll sein wie:

  • Psychotherapeutische Einzel- und Gruppengespräche
  • Stress- und Emotionsregulation, Umgang mit Grübeln und Sorge
  • Körperorientierte Verfahren (Körperwahrnehmung, Spannung lösen, Bewegung)
  • Sport- und Bewegungstherapie (aufbauend, dosiert)
  • Physiotherapie/physikalische Therapie (je nach Beschwerdebild)
  • Kreative Therapien (Kunst/Musik) zur Ressourcenaktivierung
  • Ergo- und Berufstherapie (Struktur, Belastungsaufbau, Alltag)
  • Sozialdienst (berufliche Perspektiven, Anträge, Wiedereinstieg)
  • Ernährungsberatung, wenn passend (z. B. bei Magen-Darm-Themen)

Was das für Sie bedeutet:
Es geht nicht darum, Ihnen zu sagen „Das ist psychisch“. Es geht darum, die Beschwerden ernst zu nehmen – und gleichzeitig Wege zu finden, wie Ihr System wieder aus dem Alarmmodus herauskommt.

Behandlungsformen

Welche Behandlungsform passt zu Ihrer Situation?

Welche Behandlungsform sinnvoll ist, hängt u. a. von Beschwerdedauer, Einschränkung, Begleitängsten/depressiven Symptomen, beruflicher Situation und Stabilität im Alltag ab.

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Akutbehandlung

Akutbehandlung

Wenn Beschwerden und psychische Belastung so stark sind, dass Alltag und Sicherheit gefährdet sind oder eine rasche Stabilisierung gebraucht wird, kann eine stationäre oder teilstationäre Akutbehandlung sinnvoll sein.

Für die Akutbehandlung ist in der Regel eine Krankenhauseinweisung erforderlich.

Psychotherapeutische Ambulanz

Psychotherapeutische Ambulanz

In der psychotherapeutischen Ambulanz können Erwachsene ab 18 Jahren psychotherapeutisch behandelt werden (Schwerpunkt Verhaltenstherapie). Der Einstieg erfolgt über eine psychotherapeutische Sprechstunde, in der Beschwerden eingeordnet und nächste Schritte besprochen werden.

Wichtig: Die Ambulanz ist nicht für Notfälle vorgesehen und bietet keine medikamentöse Mitbehandlung/Rezeptierung.

Rehabilitation

Rehabilitation

Rehabilitation kann sinnvoll sein, wenn Beschwerden über längere Zeit die Funktionsfähigkeit beeinträchtigen – z. B. beruflich – und es darum geht, Strategien zu stabilisieren und Rückfälle zu reduzieren.

  • Bad Dürrheim: stationär oder ganztägig ambulant
  • Stuttgart: ganztägig ambulant

Für die Reha ist ein Antrag beim Kostenträger mit ärztlichen Befunden erforderlich.

Vollstationär / tagsüber in Behandlung

Vollstationär oder tagsüber in Behandlung – was ist der Unterschied?

  • Vollstationär: Behandlung mit Übernachtung, intensiver Struktur- und Entlastungsrahmen
  • Ganztägig ambulant/teilstationär: Therapie tagsüber, abends zuhause – gut für Transfer, wenn das Umfeld tragfähig ist

Holen Sie sich Unterstützung, wenn …

  • Symptome über längere Zeit bestehen oder immer wiederkehren
  • Sie sich im „Untersuchungskarussell“ befinden, ohne dass es besser wird
  • Sorge und Körperbeobachtung Ihren Alltag dominieren
  • Schlaf, Energie und Belastbarkeit deutlich leiden
  • Sie Aktivitäten vermeiden und sich zurückziehen
  • Arbeit, Familie oder Beziehungen spürbar beeinträchtigt sind
  • Sie zu Alkohol/Medikamenten greifen, um Symptome zu dämpfen
  • Gedanken auftauchen, nicht mehr leben zu wollen (bitte immer ernst nehmen)

Sofort Hilfe holen (dringend)

Bitte holen Sie sofort Hilfe, wenn …

  • Sie sich akut gefährdet fühlen oder Suizidgedanken haben
  • neue, starke, plötzlich auftretende Beschwerden auftreten (z. B. starke Brustschmerzen, Lähmungen, Atemnot)

In lebensbedrohlichen Situationen: 112.
TelefonSeelsorge (24/7, anonym, kostenlos): 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222.

Angehörige sind oft ratlos: Sie sehen Leid, aber keine klare Ursache. Gut gemeinte Sätze wie „Denk nicht so viel darüber nach“ können Betroffene zusätzlich allein lassen.

Hilfreich ist häufig:

  • Ernst nehmen: „Ich sehe, dass du Beschwerden hast.“
  • Gemeinsam entlasten: Termine strukturieren, Alltag vereinfachen
  • Nicht in die Spirale gehen: nicht ständig neue Diagnosen googeln, nicht dauernd rückversichern
  • Aktivität in kleinen Schritten unterstützen (ohne Druck)
  • Eigene Grenzen achten und sich ggf. selbst beraten lassen

Häufige Fragen zu Somatoformen Störungen bei Erwachsenen

Sind somatoforme Beschwerden eingebildet?

Nein. Die Beschwerden sind real. „Somatoform“ beschreibt, dass die Symptome nicht ausreichend durch eine organische Erkrankung erklärbar sind oder stärker sind, als es der Befund erwarten lässt. Das Nervensystem kann Symptome verstärken und aufrechterhalten.

Warum werden Symptome schlimmer, wenn ich mich darauf konzentriere?

Aufmerksamkeit und Sorge erhöhen oft die Anspannung. Anspannung verändert Körperwahrnehmung, Muskeltonus, Atmung und Stresshormone – und kann Symptome verstärken. Das ist ein normaler Mechanismus, kein „Fehler“.

Hilft Psychotherapie bei körperlichen Beschwerden?

Ja, häufig – besonders, wenn Stress, Angst, Schlaf und Schonmuster eine Rolle spielen. Ziel ist nicht, Beschwerden „wegzureden“, sondern den Kreislauf zu unterbrechen und Funktionsfähigkeit zu verbessern.

Welche Behandlungsform passt: Akut, Ambulanz oder Reha?

  • Akut: wenn schnelle Stabilisierung nötig ist
  • Ambulanz: psychotherapeutischer Start/Abklärung im ambulanten Rahmen
  • Reha: langfristige Stabilisierung, Alltag und Teilhabe im Fokus

Wie komme ich in die Luisenklinik?

  • Akut: Krankenhauseinweisung + Befunde
  • Ambulanz: telefonisch Termin zur psychotherapeutischen Sprechstunde
  • Reha: Antrag mit ärztlichen Befunden beim Kostenträger

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