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Angststörungen & emotionale Störungen bei Kindern & Jugendlichen

Definition Angststörungen

Kinder und Jugendliche haben viele Gründe, sich Sorgen zu machen: Schule, Leistungsdruck, soziale Medien, Freundschaften, Konflikte, Veränderungen in der Familie, körperliche Entwicklung. Angst und starke Gefühle gehören zur Entwicklung dazu. Sie sind ein Schutzsystem: Sie machen aufmerksam, helfen Grenzen zu spüren und Gefahren zu erkennen.

Problematisch wird es, wenn Angst und Gefühle nicht mehr zur Situation passen, nicht mehr abklingen oder den Alltag deutlich einschränken. Dann kann aus „normaler“ Angst eine Angststörung werden – oder es zeigen sich emotionale Störungen, bei denen Gefühle sehr schnell, sehr stark oder sehr schwer regulierbar sind.

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Symptome

WORAN SIE EINE ANGSTSTÖRUNGEN 6 EMOTIONALE STÖRUNGEN ERKENNEN KÖNNEN

Angst zeigt sich bei Kindern und Jugendlichen oft anders als bei Erwachsenen. Nicht selten wird sie „übersetzt“ in Bauchweh, Rückzug, Wut oder Schulvermeidung.

  • Starke Sorgen („Was, wenn…?“), die sich kaum stoppen lassen
  • Trennungsangst (z. B. nicht allein bleiben, nicht zur Schule)
  • Soziale Angst (Angst vor Bewertung, Reden, Essen vor anderen, Referate)
  • Panikartige Symptome (Herzrasen, Zittern, Atemnot, Schwindel)
  • Phobien (z. B. Spritzen, Erbrechen, Tiere, Dunkelheit)
  • Vermeidung (Orte, Bus/Bahn, Schule, Treffen, Übernachtungen)
  • Ständiges Rückversichern („Ist das gefährlich?“, „Bleibst du bei mir?“)

  • Bauch- oder Kopfschmerzen, Übelkeit
  • Schlafprobleme, Albträume
  • Muskelanspannung, Zittern, Schwitzen
  • Appetitveränderungen, Erschöpfung

  • Sehr schnelle, sehr starke Gefühlswechsel
  • Häufige Wutanfälle, „Ausflippen“, danach Scham oder Erschöpfung
  • Starke Kränkbarkeit, Rückzug, Weinen „ohne Grund“
  • Überforderung durch Stress, Reize, Konflikte
  • Selbstabwertung („Ich bin falsch“, „Ich kann nichts“)
  • Selbstverletzendes Verhalten als Versuch, Druck zu regulieren (immer ernst nehmen)

Wenn Angst oder starke Gefühlszustände über Wochen anhalten und Schule, Familie oder Freundschaften deutlich beeinträchtigen, sollte das fachlich abgeklärt werden.

Wie sich eine Angststörung & emotionale Störung im Alltag anfühlen kann

Angststörungen und emotionale Störungen greifen oft genau dort an, wo Entwicklung passiert: in der Schule, in Freundschaften, im Ablösen von Eltern, im Ausprobieren.

Typische Auswirkungen:

  • Schule: Fehlzeiten, Leistungsabfall, Prüfungsangst, Referate werden zur Hürde
  • Freundschaften: Rückzug, Vermeidung von Treffen, Angst vor Peinlichkeit
  • Familie: mehr Streit, mehr Klammern, mehr Rückzug – oft alles gleichzeitig
  • Körper: dauerhafte Anspannung, Schlafprobleme, Erschöpfung
  • Selbstbild: „Ich bin schwach“, „Ich bin komisch“, „Ich schaffe das nie“

Viele Familien entwickeln unbewusst „Sicherheitsstrategien“: Eltern begleiten überallhin, vermeiden Trigger, schreiben Entschuldigungen, übernehmen Gespräche. Das ist verständlich – und manchmal nötig. Langfristig kann es aber dazu führen, dass Angst größer bleibt. Therapie hilft, Sicherheit aufzubauen, ohne das Leben immer kleiner zu machen.

Behandlungsansatz

Sicherheit schaffen – und dann Schritt für Schritt wieder zutrauen

Ein wirksamer Ansatz bei Angst- und emotionalen Störungen umfasst meist:

  1. Verstehen: Was ist Angst? Was passiert im Körper? Was triggert Gefühle?
  2. Stabilisieren: Schlaf, Tagesstruktur, Stressregulation, Entlastung
  3. Fertigkeiten lernen: Umgang mit Sorgen, Panik, Wut, Scham, Rückzug
  4. Schrittweises Üben: Situationen wieder aufsuchen, die Angst machen (Exposition), in machbaren Schritten
  5. Alltag stärken: Schule, Freundschaften, Familie – mit konkreten Plänen
  6. Rückfallprophylaxe: Warnzeichen erkennen, Krisenplan, Stabilisierung

Entwicklungsangepasst und familienorientiert

Bei Kindern und Jugendlichen ist die Einbindung der Eltern/Bezugspersonen zentral – nicht als „Kontrolle“, sondern als Stabilisierung des Umfelds:

  • Wie reagieren wir, wenn Angst hochgeht?
  • Wie unterstützen wir, ohne zu verstärken?
  • Welche Schritte sind realistisch – und wie bleiben wir dran?

Je nach Alter und Situation können Bausteine sinnvoll sein wie:

  • psychotherapeutische Einzel- und Gruppentherapie (altersgerecht)
  • Training von Emotionsregulation, Stressbewältigung und Selbstwert
  • kreative Therapien (Kunst/Musik) als Ausdrucks- und Ressourcenweg
  • Sport- und Bewegungstherapie (Anspannung abbauen, Körpervertrauen stärken)
  • Entspannungs- und Achtsamkeitsverfahren (praxisnah)
  • Schul-/Sozialberatung (Wiedereinstieg, Gespräche, Nachteilsausgleich)
  • ggf. ärztliche Mitbehandlung, wenn medizinisch angezeigt (individuell)

Was das für junge Menschen bedeutet:
Du musst nicht „angstfrei“ sein, um wieder rauszugehen. Du darfst lernen, Angst auszuhalten – bis sie kleiner wird. Und du musst das nicht allein üben.

Was das für Eltern bedeutet:
Sie sind nicht „schuld“. Und Sie müssen das nicht allein tragen. Elternarbeit bedeutet: Sicherheit geben, Angst ernst nehmen und gleichzeitig Zutrauen aufbauen – mit kleinen, machbaren Schritten, die den Alltag wieder größer machen.

Behandlungsformen

Welche Behandlungsform passt zu Ihrer Situation?

Welche Form sinnvoll ist, hängt u. a. von Schweregrad, Zeitaufwand, Leidensdruck, Schulbesuch, Familienbelastung und Sicherheit ab.

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Stationäre Behandlung

Stationäre Behandlung

Stationär kann sinnvoll sein, wenn Angst sehr stark ist, der Alltag nicht mehr gelingt, Schulbesuch nicht mehr möglich ist, starke Krisen bestehen oder Selbstgefährdung im Raum steht.

Teilstationäre Behandlung (Tagesklinik)

Teilstationäre Behandlung (Tagesklinik)

Teilstationär findet Therapie tagsüber statt, abends und an Wochenenden ist das Kind/der Jugendliche zuhause. Das kann gut sein, wenn der Transfer in den Alltag wichtig ist und das Umfeld tragfähig ist.

Ambulante Behandlung / Weiterbehandlung

Ambulante Behandlung / Weiterbehandlung

Bei leichteren Verläufen oder zur Stabilisierung nach stationär/teilstationär kann ambulante Psychotherapie sinnvoll sein. Welche Optionen passen, wird individuell geklärt.

Holen Sie sich Unterstützung, wenn …

  • Angst/Sorgen über Wochen anhalten und kaum abklingen
  • Ihr Kind/Jugendlicher zunehmend vermeidet (Schule, Freunde, Wege, Situationen)
  • Häufige körperliche Beschwerden ohne klare Ursache auftreten (v. a. Bauch/Kopf)
  • Es immer wieder zu Panik, starken Ausrastern oder „Zusammenbrüchen“ kommt
  • Schlaf und Erholung deutlich gestört sind
  • Schule kippt (Fehlzeiten, Leistungsabfall, Verweigerung)
  • Selbstwert stark sinkt, Rückzug zunimmt
  • Selbstverletzendes Verhalten oder Suizidgedanken vorkommen (immer ernst nehmen)

Sofort Hilfe holen (dringend)

Bitte holen Sie sofort Hilfe, wenn …

  • akute Suizidgedanken bestehen, ein Plan genannt wird oder Mittel bereitliegen
  • Ihr Kind sich nicht mehr sicher fühlt oder Sie es nicht sicher begleiten können

In lebensbedrohlichen Situationen: 112.
TelefonSeelsorge (24/7, anonym, kostenlos): 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222.
Wenn möglich: kinder- und jugendpsychiatrischer Notdienst / nächste Notaufnahme.

Eltern wollen schützen. Bei Angst ist das besonders schwierig, weil Vermeidung kurzfristig Ruhe bringt. Langfristig lernt das Kind dann aber: „Ich schaffe das nicht.“

Hilfreich ist häufig:

  • Gefühle ernst nehmen: „Ich sehe, du hast Angst.“
  • Ruhe ausstrahlen: Ihr Nervensystem „leiht“ dem Kind Sicherheit
  • Kleine Schritte planen statt große Sprünge
  • Nicht endlos diskutieren, wenn Angst hoch ist – lieber später besprechen
  • Rückversicherung reduzieren (nicht 20-mal „Es passiert nichts“)
  • Schule ins Boot holen (Klassenlehrer, Schulsozialarbeit, Nachteilsausgleich)
  • Eigene Grenzen achten: Eltern dürfen erschöpft sein und Hilfe brauchen

Ein Satz, der oft hilft:
„Ich glaube dir, dass es sich schlimm anfühlt – und ich glaube auch, dass du das lernen kannst.“

Häufige Fragen zu Angststörungen & emotionalen Störungen bei Kindern & Jugendlichen

Ist Angst nicht normal in dem Alter?

Ja, Angst gehört zur Entwicklung. Behandlungsbedürftig wird sie, wenn sie häufig, stark und anhaltend ist und den Alltag deutlich einschränkt (Schule, Freunde, Schlaf).

Warum hat mein Kind Bauchschmerzen, wenn es Angst hat?

Angst aktiviert das Stresssystem. Der Körper reagiert real – oft über Magen-Darm, Kreislauf oder Muskelspannung. Das ist nicht „eingebildet“.

Soll ich mein Kind zur Schule zwingen?

Pauschal: Druck allein hilft selten. Wichtig ist ein Plan, der Sicherheit und kleine Schritte kombiniert. Oft ist ein abgestimmtes Vorgehen mit Schule und Behandlung sinnvoll.

Was hilft bei Panikattacken?

Kurzfristig: ruhige Begleitung, Atmung, Orientierung im Hier-und-Jetzt. Langfristig: Verstehen der Körperreaktionen und schrittweises Üben, damit Panik nicht mehr „regiert“.

Welche Behandlungsform ist passend: stationär oder teilstationär?

Das hängt von Schweregrad, Sicherheit und Stabilität zuhause ab. Stationär, wenn Schutz/enge Begleitung nötig ist. Teilstationär, wenn zuhause Stabilität möglich ist und Transfer in den Alltag wichtig ist.

Wie läuft die Aufnahme ab?

Wir klären mit Ihnen in einem ersten Kontakt die Dringlichkeit, die aktuelle Belastung und welche Behandlungsform passend ist. Sie können sich mit Ihren Fragen an das Patientenmanagement wenden.

Kontakt

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